Ein bezaubernder Junge

Mausibabyfynn an seinem Geburtstag am 7.3.2008 - noch in Mamas Bauch! Um 20:45 Uhr desselben Tages kam er zur Welt!

Unser Fynn wurde am 07.03.2008 um 20:45 Uhr als Frühchen in der 30. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt mit 980 g Gewicht und 39 cm Größe geboren. 

 

Ich war am Morgen dieses aufregenden Tages bei meiner Frauenärztin, um einen 3D Film von Baby im Mutterleib machen zu lassen (Wer hätte vor hundert Jahren gedacht, dass sowas mal möglich ist, oder? Nicht mal bei meinen beiden großen Kindern ging das, ich fand das so klasse, das musste ich haben. Möglicherweise, so denke ich heute, hat diese Begeisterung für das heute technisch machbare Fynnys Leben gerettet. Wer weiß, was bis zur nächsten regulären Untersuchung, die erst in zwei Wochen anstand, geschehen wäre?) und verließ die Praxis sehr besorgt und mit einer Einweisung in die Klinik, weil Fynny seit der letzten Untersuchung nicht mehr gewachsen war.

 

Werner war gerade in Schottland bei einem Werderspiel. Ich konnte ihm nur vor der OP eine SMS schicken, dass Fynny geholt werden müsse. Nachts um 2:00 Uhr traf Werner völlig fertig mit einem Schottenteddy für Fynn im Gepäck im Krankenhaus ein, besuchte Fynny auf der Frühchenstation und brachte, dem Engel von Schwester sei Dank, ein Foto von unserem Sohn mit, den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte.

 

Erstmal war ich beruhigt, wir sollten noch häufiger beunruhigt sein. Es folgte eine lange, oft aufregende, manchmal lustige und durch das Gebimmel der Monitore vor allem laute Zeit in der uns bis dahin fremden Welt einer Frühchenstation. Nach zwei Wochen verloren wir Fynn einmal fast, ich registrierte nur, dass er aussah, als würde er sich einfach immer weiter entfernen und weggehen. Um seinen Brutkasten herum war Stress, ich hatte irgendwie beschlossen, besser gar nichts zu fühlen und nur zuzusehen. Schließlich bekam Fynn eine Koffeinspritze direkt in sein Herz und das brachte ihn zu uns zurück. Ich war erst Monate nach seinem Tod in der Lage, über diese Begebenheit zu sprechen und zu weinen.

 

 

Genossen haben wir besonders das Kuscheln mit Fynny, durften ihn aber auch im Brutkasten wickeln und ihm über seine Magensonde seine Milch geben. Toll, dass das  möglich war.  Werner stieg in kurzer Zeit von der Kreis- in die Wickelbundesliga auf. (Fynn war sein erstes Kind, er ist Fußballfan und das war meine Art von Anerkennung für seine Leistung :-)

 

 

Nach 6 Wochen erfuhren wir, dass Fynn ein Prader-Willi-Syndrom hat. Die Ärzte fanden seine Muskelhypotonie auffällig und suchten nach einer Erklärung dafür. Ich hielt die Fahne hoch und sagte mir, ich hätte einfach endlich mal ein zufriedenes Kind und wollte doch auch Werner beruhigen,  dessen erstes Kind Fynny war.

 

Heute denke ich manchmal, ich hab die ganze Zeit gespürt, es stimmt was nicht und das verdrängt. Ich habe schon 2 Kinder geboren, allerdings kamen sie nicht zu früh, ein Frühchen war für mich auch etwas völlig Neues.

 

Die erste genetische Untersuchung ergab, alle Chromosomen sind vorhanden - Höhenflug, alles ok mit meinem Baby, hab ich doch gesagt, er ist nur ein zufriedenes, ruhiges und liebes Kind.

 

Die nächste genetische Untersuchung ergab - Fynn hat eine Erkrankung, die Prader-Willi-Syndrom heißt - Absturz, ach du meine Güte, was ist das denn und wie wird Werner damit klarkommen? Ich war schon verliebt in meinen Sohn, das war es nicht, ich wollte positiv bleiben und vergoss bei der Nachricht doch ein paar Tränen. Was würde auf uns zukommen und würde Werner zu uns stehen und damit fertig werden? Ich bat eine Ärztin mit ihm zu sprechen, ich war sicher, dass er Fragen haben würde, die ich nicht beantworten konnte. Die erste Frage war: Wird er ein selbstständiges Leben führen können - nein, Tränen. Es war ein schwerer Tag.

 

Am nächsten Tag stand ich an seinem Brutkasten und sagte zu Fynn: "Wenn du nicht mit dieser Erkrankung leben möchtest, darfst du auch gehen, du musst auf uns keine Rücksicht nehmen. Wenn du bei uns bleiben willst, bleib bei uns, wir lieben dich in jedem Fall."

 

Fynn musste nach seiner Geburt 3 1/2 Monate im Krankenhaus bleiben und hatte unzählige gesundheitliche Probleme, die er mit einer beispielhaften Geduld von seiner Seite und oft großer Angst und großem Leid auf unserer Seite trug.

 

Nach seiner Verlegung von der Frühchenstation in der Frauenklinik auf eine normale Station in der Kinderklinik verloren wir ihn noch einmal fast. Seine Atmung war noch nicht stabil genug, er atmete sich bewusstlos und landete einmal mehr mit einem CO2-Gehalt im Blut, bei dem jeder normale Mensch schon tot wäre, auf der Intensivstation. Zwar war Fynn an einen Überwachungsmonitor angeschlossen, aber die personelle Besetzung auf einer normalen Station ist natürlich nicht vergleichbar mit einer auf einer Frühchenstation. Wir waren über diese Verlegung nicht glücklich und ich glaube, wenn Werner und ich unseren Jungen nicht so gut gekannt und gemerkt hätten, dass da etwas nicht stimmt und darauf bestanden hätten, dass ein Arzt kommt und ihn sich ansieht, hätte das schlimme Folgen haben können. So kam er, nachdem sein Blut untersucht worden war, auf die Intensivstation und wurde beatmet.

 

Als wir ihn nach der langen Klinikzeit endlich endlich nach Hause mitnehmen konnten, waren wir sehr glücklich, auch wenn die Sorge um ihn und die Sorge darum, ob wir allem, was seine Erkrankung mit sich bringen würde gewachsen sein würden blieb.

 

Bevor wir die Kinderklinik verlassen durften, erhielten wir noch ein Wiederbelebungsgespräch, um Fynn im Fall der Fälle reanimieren zu können, ein Pulsoximeter für zu Hause, um Atmung und Herztätigkeit überwachen zu können und ein "Trockentraining", d.h. ich versorgte Fynn einige Tage lang ganz alleine, ohne Schwestern, aber noch in der sicheren Umgebung der Klinik. 

 

Völlige Selbstsicherheit erreichte ich nicht, ich machte mir Sorgen um tausend Dinge und schuf mir zuallererst ein Auffangnetz in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Ich verteilte Hausschlüssel zu unserem Haus und machte mit meinen Nachbarn aus, dass ich, falls der Notfall eintreten sollte, anrufen würde und sie dem Rettungsdienst die Tür aufschließen könnten, während ich mein Kind wiederbelebte. Später erfuhr ich von ihnen, dass sie bei jedem Klingeln aufschreckten, was mir natürlich leid tat, aber welche Wahl hatte ich? 

 

Dank vieler hilfsbereiter Menschen und Fynns stabiler Atmung stellte sich bald das Gefühl ein, dass wir das schon schaffen würden. Dieses Gefühl blieb uns bis kurz vor seinem tragischen Tod. Wir brauchten den Rettungswagen zu einer Zeit, als niemand mehr damit rechnete und alle sich entspannt hatten. 

 

Fynny, du warst ein wunderbares Kind. Dein Lachen eine unglaubliche Freude, dein Staunen über die kleinen Wunder in deiner noch so kleinen Welt unser Antrieb. Wir hätten dich so gerne noch bei uns behalten und vermissen unseren tapferen kleinen Krümel sehr. Machs gut mein kleiner Prinz. Wir werden Sterne haben, die lachen können. 

Fynn hatte das Sternzeichen Fische
Fynn hatte das Sternzeichen Fische
und das chinesisches Sternzeichen Ratte
und das chinesisches Sternzeichen Ratte